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 Alkoholgehalt in Weinen 
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Registriert: 30.10.2007, 15:33
Beiträge: 1
Beitrag Alkoholgehalt in Weinen
Es fällt auf, dass neuere Weine einen höheren Alkoholgehalt aufweisen (bis 14,5 %). Wo finde ich Hinweise im Zusammenhang mit dem Alkoholgehalt. fribistop.


24.11.2007, 10:37
Profil

Registriert: 08.08.2007, 16:44
Beiträge: 42
Beitrag Re: Alkoholgehalt in Weinen
Im «Weinseller» hat's kein Kapitel, dass speziell über die Alkoholwerte informiert. Daher hier ein paar Grundgedanken:

Der Boom und der Erfolg der Weine der neuen Welt hat so manchen Rausch verursacht. Er wirbelte zumindest die europäische Weinszene bis in ihr Herz – sprich Bordeaux – auf und animierte Winzer aller Generationen ihr Schaffen zu überdenken. An und für sich, keine schlechte Sache. Problematisch begann es allerdings zu werden, als immer mehr Winzer den Stil der «neuen Weine» zu kopieren begannen. Und eines der Kernelemente dieses neuen Stils ist der hohe Alkoholgehalt, sprich 13%, 14% ja sogar 15% Volumenprozent. Zahlen, die man heute sogar auf klassischen Bordeaux-Abfüllungen findet und dem wahren Weinliebhaber in der Seele schmerzen – denn er weiss, dass die grössten Weine nicht zwingend die höchsten Alkoholwerte brauchen.
Doch wie konnte es so weit kommen? Noch vor zehn Jahren konnte man auf dem Europäischen Markt primär Weine des eigenen Kontinents kaufen. Marktleader im Angebot und Konsum waren Italien und Frankreich, die ihre Weine problemlos unter die Leute brachten – ganz ungestört von der exotischen Konkurrenz. Jeder füllte ab was schon sein Vater abgefüllt hatte und Konsumenten konnten ihren Gaumen selten mit neuer Aromatik überraschen – bis plötzlich eine exotische Weinbauregion nach der anderen ihre Exportaktivitäten anzukurbeln begann. USA und Australien waren die Vorreiter, gefolgt von Chile, Argentinien und jetzt Südafrika. Mehr und mehr dieser neuen Weine flossen in den Europäischen Raum wo sie für Verkaufsfurore sorgten. In der Schweiz hat sich beispielsweise der Absatz Chilenischer Weine innert der letzten zwei Jahre verdoppelt.
Abgesehen von ihrer fernen Heimat, haben die Weine dieser Herkunft eine weitere Gemeinsamkeit. Sie stammen aus Zonen anderer klimatischer Bedingungen, die bei der Vinifikation automatisch zu alkoholreicheren Weinen führt. Unter 13 % Volumenprozent ist kaum etwas zu finden – noch nicht. Degustativ haben solche alkoholdominanten Weine verschiedene Vorteile. Werden sie von Laien verkostet, schätzen diese primär ihre zugängliche, schmelzige und opulente Art sowie den aromatischen Gehalt. Ganz nach dem Motto «Hier kriege ich etwas für mein Geld» wird solchen Weinen schnell einmal mehr Respekt gezollt. An Fachverkostungen hat sich ebenfalls herausgestellt, dass der müde Gaumen – und nach Dutzenden von Weinen ist er das – primär nur noch alkoholreiche Weine wirklich wahrnimmt und dementsprechend hoch bewertet. Auf der Strecke bleiben finessereiche, elegante Weine. Und angesichts der markttechnischen Wichtigkeit gewisser Verkostungsresultate ist es mehr als verständlich, dass immer mehr Weine zugunsten hoher Prozente ausgebaut werden. Kritikern wie Robert Parker oder Beratern wie Michel Rolland wird nicht zu unrecht vorgeworfen, dass ihr «strapazierter» Gaumen gar nicht mehr in der Lage sein kann, die Finesse immer zu erkennen. Als ob beide bereits gewohnte Ferarri-Fahrer sind und dieses Fahrgefühl nur noch mit einem Turbo-Ferrari steigern können. Ein solider und gemächlicher Volvo hätte da wohl seine Probleme.
Doch zurück zum Wein: das verkaufsstrategisch unbezahlbare Urteil genannter Exponenten fällt in der Regel zugunsten alkoholreicher Weine aus, ganz zu schweigen davon, dass Rollands vinifizierten Weine gleich ob sie aus Europa oder Übersee kommen, aromatisch ebenfalls in diese Richtung gehen. Dies motiviert wiederum eine Vielzahl anderer Winzer – momentan vor allem aus klassischen europäischen Regionen, bei der Produktion den Alkoholgehalt an die obere Grenze zu setzen. Als folge davon findet man heutzutage praktisch keinen Bordeaux Grands Cru mehr, dessen Alkoholgehalt tiefer als 13 % liegt – während das vor 7 Jahren noch gang und gäbe war.
Dass ein möglichst hoher Alkoholgehalt allerdings nicht der wichtigste Entscheid für den Erntezeitpunkt sein darf, machen erneut die innovativen Winzer der neuen Welt vor. Ein neuer Trend zeigt nämlich auf, dass in jüngsten Jahrgängen die Alkoholprozente sinken. Es wird versucht mehr auf Frucht und Eleganz zu setzten, als auf Potenz und Alkohol. Denn eine weitere Eigenschaft von alkoholreichen Weinen ist ihre sättigende Art. Und ein sättigender beziehungsweise verleidender Wein in einem übersättigten Markt ist mehr als nur ungünstig.
(ck)


24.11.2007, 15:01
Profil

Registriert: 10.09.2007, 12:32
Beiträge: 1
Beitrag Re: Alkoholgehalt in Weinen
Liebe Chandra Kurt
Ich habe ebenfalls festgestellt, dass der Alkoholgehalt der Weine in den letzten Jahren allmählichen gestiegen ist. Meine nicht ganz ernst zu nehmende Antwort war jeweils, dass der Grund im allgemeinen Temperaturanstieg des Weltklimas liege, da sich damit die Traubenlese bis fast in den Winter hinein verschiebt und damit der Zurckergehalt steigt.

Spass beiseite! Ihre Ausführungen habe ich mit grossem Interesse gelesen. Danke für das Mini-Seminar.

P. Thomann


10.12.2007, 18:21
Profil

Registriert: 08.08.2007, 16:44
Beiträge: 42
Beitrag Re: Alkoholgehalt in Weinen
Sehr geehrter Herr Thomann

Sie haben natürlich absolut Recht, dass die wärmeren Temperaturen auch ein Grund sind, dass es mehr Alkohol im Wein hat. Dieser Temperatur- und Klimawandel führt zur Zeit auch dazu, dass sich die Weingeographie etwas bewegt - in einzelnen Gebieten wird es zu warm und trocken (Bsp. Australien) und neue Terroirs werden bestockt (Bsp. Südengland).
(CK)


20.12.2007, 12:13
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